Wir drehen das Dorf einmal auf links

Meldung aus Großenwiehe
Seit acht Jahren Leerstand: Der Wiehekrug im Ortszentrum soll nicht zum „Lost Place“ verkommen. (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: Seit acht Jahren Leerstand: Der Wiehekrug im Ortszentrum soll nicht zum „Lost Place“ verkommen.

Es war nur ein Impulsvortrag anlässlich eines Unternehmerdialogs vor 30 Selbstständigen. Am Ende war dieser pickepacke voll mit großen und kleinen, konkreten und visionären Planungen für die Zukunft Großenwiehes.

Neubau der Schule wird konkret

Der Neubau der Schule Großenwiehe wird nun konkret.Am Anfang und derzeit immer noch im Fokus steht der Neubau der Schule, seit 2018 durchgängig auf der To-do-Liste. Nun hat sich die Vorgehensweise konkretisiert. Am jetzigen Standort wird ein Neubau samt Sporthalle geplant. Dazu sind nun alle wichtigen Rahmen zur Ausgestaltung festgesetzt, ein Fachbüro bereitet eine Ausschreibung vor, die im 2. Quartal 2027 vorliegen soll. Die geschätzten Baukosten liegen bei 25 Mio Euro. Diese sind nicht direkt von der Gemeinde aufzubringen, sondern es ist eine Öffentlich-Private-Partnerschaft (ÖPP) geplant. Ein Investor aus der Privatwirtschaft soll die Schule bauen, die Gemeinde mietet sie über einen langen Zeitraum. „Dies bedeutet für uns ein Aufkommen von zirka 1 Mio Euro jährlich“, sagt Bürgermeister Keno Jaspers. Dies wohl über geschätzte 30 Jahre, wird alles andere an Investitionen unterordnet. Die Abwicklung wird dank sehr konkreter Planungsvorgaben mit einer Bauzeit von zehn bis 14 Monaten dann ab 2029 sehr zügig über die Bühne gehen. „Leider gibt es keine öffentlichen Fördermittel, aber dieses Verfahren gibt uns Bauzeit- und Finanzsicherheit“, schließt Jaspers.

Was wird aus dem Wiehekrug?

Wo geht die weitere Reise der Gemeinde hin? Was passiert im Ortszentrum? Angekündigt ist seit Jahren ein inklusives Hotel auf dem Gelände des „Wiehekrugs“. „Die Investoren stehen nach wie vor bereit, möchten aber größer bauen als bisher geplant“, erläutert Jaspers. Daher habe die Gemeinde eine entsprechende Fläche zwischen der Flensburger Straße und dem Wohngebiet Süderlücke gekauft, die nun überplant werden soll. 

Ein zweites Ortszentrum?

Neues 2. Ortszentrum?Ein Konsortium regionaler Investoren stehe bereit, hier verschiedene Projekte in die Tat umzusetzen. Angedacht ist ein großes multifunktionales Mischgebiet für verschiedene Nutzungen. Ein Teil ist vorgesehen für gewerbliche Nutzung wie beispielsweise einen Vollsortimenter. Auch Objekte zur Sicherung der sozialen Daseinsvorsorge wie eine Apotheke oder Arztpraxen sind denkbar. In der Mitte denkt man im Moment das inklusive Hotel, das eine größere Fläche benötigt. Es soll nach wie vor ein Hotel mit Restauration für alle werden, aber mit spezieller inklusiver Ausrichtung. Dieses Objekt mit einem Invest von voraussichtlich gut 30 Mio Euro wird mehr als 70 Arbeitsplätze schaffen. „Nicht nur deshalb benötigen wir mehr Wohnraum, auch mit kleineren Wohnflächen für Senioren und junge Leute“, fügt der Bürgermeister an. So sei vom Mehrfamilienhaus bis zum „tiny house“ alles denkbar, was auf der Restfläche errichtet werden könne. Für die Gewerbeflächen und den Hotelbau gehe jetzt eine Planungsanzeige an die Landesplanung.
 

Zurück zum Wiehekrug, wird er zum unansehnlichen „Lost Place“? „Nein, keinesfalls. Wenn wir für die neue Fläche grünes Licht erhalten, werden wir die Fläche des alten Wiehekrugs erwerben und einer Zwischenlösung zuführen", erläutert Jaspers. Eine endgültige Lösung, je nach Entwicklung in der neuen Mischgebietsfläche, werde dann beraten werden.
 

Wie ein Reifenwechsel während der Fahrt

Vieles wurde bereits beim Kreis mit positiver Rückmeldung vorgestellt. Keno Jaspers ist vom großen Entwicklungspotenzial seiner Gemeinde überzeugt. Weitere potenzielle Wohn- und Gewerbeflächen werden bereits angedacht. „Wir befinden uns aber in einer Phase, in der alle Denkansätze noch erlaubt und auch gewünscht sind“, ergänzt er. Er weiß aber um den Fluch der ersten Planung, die sich in den Köpfen der Menschen festsetzt. „Wir drehen das Dorf einmal auf links, es wird hier und da auch weh tun. Wir sollten uns nicht bange machen lassen, sondern aktiv werden“, und schließt: „Ein Dorf im laufenden Betrieb neu auszurichten ist wie ein Reifenwechsel während der Fahrt auf der Autobahn.“
 

Im Katalog stehen bereits 40 Einzelmaßnahmen auf dem Zettel. Im Visier habe man auch immer die Verpflichtungen, die sich aus dem Status ländlicher Zentralort ergeben, also der Versorgung des Umlandes. Sichtbar wird nun die vorübergehende Unterbringung der Rettungswache im alten Feuerwehrgebäude Schobüll. Der endgültige neue Standort ist an der Landesstraße 12 zwischen Netto und dem Gewerbegebiet angedacht. 

 

Autor: Reinhard Friedrichsen