Vom Spatenstich zur energieautarken Gemeinde
Meldung aus GroßenwieheDer Spatenstich für eine Photovoltaikanlage, auch für eine größere, ist im Lande eigentlich kein besonderes Ereignis mehr. Für die Gemeinde Großenwiehe allerdings ist er ein wichtiger Schritt in Richtung energieautarke Gemeinde und Finanzierung ehrgeiziger Zukunftsaufgaben.
Auf einer Fläche von 90 Fußballfeldern sind die unzähligen Gestelle bereits montiert, die nun auf die Aufnahme von 108.000 Photovoltaik-Modulen warten. Die dann installierte Leistung wird ausreichen, knapp 20.000 Durchschnittshaushalte mit Energie zu versorgen. Es ist der größte Solarpark, den die Firma maxsolar in diesem Jahr umsetzt. Die erforderlichen Ausgleichsflächen grenzen mit sechs Hektar unmittelbar an die genutzte Fläche an, zwei Ausgleichsmaßnahmen für die Feldlerche wurden geschaffen.
Die ersten Verträge wurden bereits im Jahr 2020 geschlossen. „Ein solch komplexes Vorhaben braucht Beharrlichkeit und ein gutes Miteinander aller Beteiligten“, sagt Inken Klein-Meulemann von maxsolar und weist noch einmal auf die angedachte Bürgerbeteiligung hin. Allerdings warten bis heute sehr viele Bürger auf nähere Informationen, die ihnen im November 2025 zugesagt wurde.
Wo ist der Hemmschuh? „Wir klopfen im Moment noch alle denkbaren rechtlichen Rahmenbedingungen ab. Die derzeit greifbaren Möglichkeiten sind für die Bürger einfach nicht attraktiv genug“, erläutert Bürgermeister Keno Jaspers und vertröstet auf Näheres zum Ende des Sommers.
Auf dem Weg zu besseren Einnahmen
Für ihn hat dieser Solarpark noch einen ganz anderen Stellenwert. Gerade hat man sich zum Neubau der Schule entschlossen, der andere Investitionen in den nächsten Jahrzehnten wahrscheinlich kaum möglich macht (wir berichteten). Es verbleiben aber andere Aufgaben, die die Gemeinde bewältigen muss, wenn sie sich weiter entwickeln will: Wohnraum für Neuansiedlungen sowie Gewerbeansiedlung müssen geschaffen werden, andere Aufgaben der Daseinsvorsorge kommen hinzu. „Attraktivität durch nachhaltige Standortfaktoren“ ist das Schlagwort für Jaspers.
Der Ausbau der grünen Energie ist ein Meilenstein dahin. Neben dem nun entstehenden Solarpark folgen noch zwei weitere, jeweils in gleicher Größe. Von sieben geplanten Großbatteriespeichern ist der erste fertig, 19 Windmühlen befinden sich im Genehmigungsprozess wie auch ein Umspannwerk. „Ein Rechenzentrum wäre der Klopfer“ fügt er an. Dafür stehe das Konzept bereits, die entsprechende Anfrage liegt bei der SH-Netz. Die große Abwärme einer solchen Objektes kann die gesamte Gemeinde leicht mit Heizwärme versorgen.
Energie-Sharing, das Schlüsselwort?
Unter dem Strich sollen die Vorhaben natürlich genügend Gewerbesteuern in die Kasse spülen, um eine freie Finanzspitze zu bewahren. Aber Jaspers setzt noch auf eine ganz andere Möglichkeit, „Energie-Sharing“, die gemeinsame Nutzung der vor Ort erzeugten grünen Energie ist für ihn ein entscheidender Baustein für die Zukunftsfähigkeit Großenwiehes. Anstatt erzeugten Strom nur für eine geringere Vergütung in das öffentliche Netz einzuspeisen, können Erzeuger von grüner Energie diesen direkt an Partner vor Ort verkaufen. Beide Seiten profitieren: Der Erzeuger erhält bessere Einnahmen als die klassische Vergütung und die Abnehmer beziehen günstigeren, regionalen Ökostrom. Für die baldige Umsetzung hat die Gemeinde sämtliche städtebaulichen Verträge mit entsprechenden Klauseln versehen.
Autor: Reinhard Friedrichsen